Informationen über die Kornnatter

Die Kornnatter (Elaphe guttata, bzw. nach neuer Klassifizierung Pantherophis guttatus) ist die wohl am häufigsten in Terrarien anzutreffende Schlange. Ihre hübsche Zeichnung und problemlose Haltungsweise macht sie besonders bei Terraristik-Anfängern beliebt. In diesem Artikel findet man einen "Haltungs-Guide", der die Ansprüche der Kornnatter an das Terrarium, sowie alle wichtigen Fragen zur Haltung beantwortet.

Kornnattern gehören zu den farblich attraktivsten Schlangen der Erde. Sie bleiben verhältnismäßig klein (im Durchschnitt 90 -130 cm, maximal 180 cm) und besitzen eine hübsche bräunliche bis tiefrote Fleckenzeichnung auf grauen, braunen bis orange/roten Grund. Der Bauch ist porzellanweiß und mit stahlblauen bis schwarzen Flecken versehen. Auf dem Kopf befindet sich eine V-förmige Zeichnung. Der Körper der Kornnatter ist schlank, der Kopf im Verhältnis zum Körper klein mit runder Pupille und nur wenig vom Körper abgesetzt.

Die Färbung der Kornnatter ist äußerst variabel, dazu kommen noch eine Menge der verschiedensten Farbvarianten, die durch gezielte Zuchtversuche entstanden sind. Die bekannteste Züchtung sind wohl die amelanistischen Kornnattern, das sind Albinos, denen das schwarze Körperpigment (auch Melanin genannt) in der Färbung fehlt. Des weiteren gibt es noch die fast weißen "Snowcorns" und andere, teilalbinotischen Farbformen, bis hin zu feuerroten oder sogar schwarzweißen (anerythristischen) Tieren, denen wiederum der Rotanteil (das so genannte Erythrin) in ihrer Körperfärbung fehlt. Auf dem zweiten Foto von links sieht man sehr schön, wie unterschiedlich anerythristische und amelanistische Tiere aussehen können.

Auch das Zeichnungsmuster ist durch Züchtung verändert worden. Die Tiere haben statt Flecken z. B. nur noch Längsstreifen oder ein Zickzackmuster. Mittlerweile ist es schwierig, den Überblick über die vielen Zuchtformen und Bezeichnungen zu behalten. Dieser Trend ist vor einigen Jahren aus Amerika übergeschwappt, dort werden alle Zuchtformen munter durcheinandergekreuzt. Wenn ein Zuchtergebnis interessant aussieht bekommt eine neue Bezeichnung und wird zu Höchstpreisen an interessierte Terrarianer verkauft. Die populärsten Zuchtformen sind derzeit wohl Ghost-Kornnattern mit ihrer verwaschenen Zeichnung, die tiefroten Blood-reds und die leuchtend gefärbte Albinoform "Sunglow".

Die Kornnatter gehört mit Sicherheit zu den am einfachsten zu haltenden und zu vermehrenden Schlangen überhaupt. Sie stellen keine allzu großen Ansprüche an ihre Unterkunft und besitzen ein ruhiges Wesen, zumindest als Nachzucht.

Wie alle Schlangen sollten auch Kornnattern nicht übermäßig oft aus dem Behälter geholt werden, sie tolerieren jedoch eine maßvolle Handhabung.

Wenn die Tiere gut gehalten werden, erreichen sie mit 2-3 Jahren die Geschlechtsreife und können leicht 12-15 Jahre leben, der bisherige Altersrekord beträgt meines Wissens sogar 25 Jahre.

Kornnattern sind normalerweise dämmerungs- und nachtaktiv. Sie streifen nachts oft stundenlang im Terrarium umher und suchen nach fressbarem. Im Frühjahr zur Paarungszeit und im Sommer sind viele Tiere allerdings auch tagsüber munter. Es gibt aber auch längere Phasen der Inaktivität, wo man die Tiere fast nur im Versteck antrifft. Wenn man die Tiere längere Zeit nicht zu Gesicht bekommt, besteht also kein Grund zur Sorge. Diese über das Jahr verteilten Ruhephasen gehören zum natürlichen Verhaltensrepertoire und sind auch individuell von Tier zu Tier verschieden.

Ansprüche an das Terrarium:

Junge Kornnattern können in einem kleinen Becken (Spinnenterrarien) aufgezogen werden (für Jungschlangen reicht eine Grundfläche von 30 X 20 cm, juvenile Tiere sollten in einem 60 X 40 X 40cm großen Becken gehalten werden). Die Terrariengröße für ein adultes Tier sollte man von der Größe der Schlange, bzw. der Anzahl der darin gehaltenen Tiere abhängig machen. Für ein Einzeltier sollte man wenigstens ein Terrarium mit den Maßen 100 X 50 X 50-80 cm bereitstellen. Falls man vorhat, mehrere Tiere in einem Becken zu pflegen, bzw. die Schlange über 100 cm lang ist (bei Kornnattern keine Seltenheit), sollte man folgende Größenangabe berücksichtigen: 100-120 X 50 X 60-100 cm (L X B X H). Der Behälter darf keine Lücken oder undichte Stellen enthalten, Kornnattern sind geborene Ausbruchskünstler!

Da die Tiere gerne klettern, sollte man einige Klettermöglichkeiten bereitstellen, die Äste sollten allerdings richtig befestigt werden, da sich die Tiere sonst durch umfallendes Astwerk verletzten können. Ich verwende meist Weinreben oder stabile Korkeichen-Äste.

Ein Wasserbehälter muss ebenfalls vorhanden sein, da Kornnattern bevorzugt aus größeren Wasseransammlungen trinken. Besonders nach dem Fressen wird man die Tiere beim ausgiebigen Trinken beobachten können. Es braucht aber nicht allzu groß zu sein, da sich gesunde Kornnattern so gut wie nie ins Wasser legen. Wenn man seine Kornnatter im Wasserbecken vorfindet, so sollte man seine Tiere auf Milbenbefall kontrollieren.

Die Schlangen werden bei Milbenbefall sichtlich nervös, und sie versuchen sich dann durch ein Bad aktiv dieser Qual zu entledigen. Die Kornnatter im Wasserbecken vorzufinden, kann aber auch bedeuten, dass man die Tiere zu trocken hält und sie so versuchen, die benötigte Feuchtigkeit aufzunehmen.

Eine oder mehrere Versteckmöglichkeiten sind ebenfalls sehr wichtig, da die Tiere sonst unter permanenten Stress stehen, wenn man sie dazu zwingt immer sichtbar zu sein. Ein Versteck muss dunkel sein und den Tieren engen Körperkontakt bieten, da sie sich ansonsten nicht geschützt fühlen. Es sollte nach Möglichkeit immer eine Versteckmöglichkeit in einer kühlen Ecke liegen und eines an einer erwärmten Stelle, damit die Tiere sich ein Versteck ihren Bedürfnissen entsprechend auswählen können. Gut als Versteckplätze geeignet sind z. B. umgedrehte Borkenstücke.

Fütterung:

Wenn man eine Kornnatter erworben hat, sollte man sie sich erst mal zwei bis drei Tage an die neue Umgebung gewöhnen lassen, bis man den ersten Fütterungsversuch unternimmt. Man sollte zunächst eine vorher abgetötete Maus in passender Größe anbieten. Diese wird auch meist sofort von eingewöhnten Nachzuchten gierig angenommen. Wenn die Kornnatter diese nicht fressen möchte, sollte man (am besten nach dem Erlöschen des Lichtes) eine lebende Maus anbieten. Die meisten Kornnattern werden diese Futter bereitwillig akzeptieren. Lebendfutter bedeutet allerdings immer eine (geringe) Verletzungsgefahr, da Kornnattern nicht so geschickte "Würger" wie Boas und Pythons sind. Deshalb sollte die Fütterung immer unter Aufsicht erfolgen.

Probleme gibt es bei Kornnattern eigentlich nur, wenn man einen Wildfang erworben hat (was bei dem großen Angebot aus Nachzuchten mittlerweile überflüssig ist) oder bei frisch geschlüpften Jungtieren. Leider verweigert ein nicht geringer Prozentsatz an Jungtieren die Futteraufnahme und sind nicht dazu zu bewegen eine nestjunge Maus anzunehmen. Das ist eigentlich auch nicht verwunderlich, da sich junge Kornnattern in freier Natur in erster Linie von Baumfröschen und kleineren Echsen ernähren und erst mit fortschreitendem Alter auch Mäuse erbeuten können. Deshalb gehört ein frisch geschlüpftes Kornnattern-Jungtier auch nicht in die Hände eines Einsteigers. Es gibt zwar einige Tricks, wie man futterverweigernde (Jung-)Tiere dazu bewegt, ihre Nahrung freiwillig zu schlucken, dazu braucht man aber schon ein wenig Erfahrung. Einsteiger sind mit einem Tier besser beraten, das einige Monate alt ist und schon auf Mäuse als Nahrung eingestellt ist. Die weitere Aufzucht ist somit unproblematisch.

Wenn man ein Kornnattern-Baby in einem Zooladen erwirbt, sollte man den Verkäufer kritisch hinterfragen, ob die angebotenen Tiere tatsächlich futterfest sind. Häufig ist dies nicht der Fall, da ein Händler meist nicht die Zeit hat, sich um jedes Baby einzeln zu kümmern. Wenn man ein Jungtier erwirbt, sollte man daher besser einen zuverlässigen Züchter kontaktieren. Ein Kornnattern-Jungtier sollte mindestens 3-4mal selbständig gefressen haben, bevor es den Besitzer wechselt.

Für die Häufigkeit der Futteraufnahme muss jeder Schlangenhalter ein eigenes Gespür entwickeln, man sollte nicht nur strikt nach 7 oder 10 Tagen füttern. Ich warte nach einer Fütterung immer so lange, bis die Schlange wieder ihr Versteck verlässt und lasse sie noch mal ungefähr dieselbe Zeit aktiv sein. Wenn die Schlange z.B. 4 Tage im Versteck lag und verdaut hat, ist der Abstand zwischen den beiden Fütterungen also insgesamt 8 Tage. Wenn man ihr sofort eine neue Maus anbietet, so wird die Schlange sie zwar meist ohne zu zögern fressen, wir wollen unsere Tiere aber schließlich auch mal umherkriechen sehen und nicht verfettet und unbeweglich im Versteck herumliegen lassen.

Diese Informationen über Kornnattern wurden zusammengestellt von Marcel Hoffmann.

Handbuch Schlangenpflege von Marcel Hoffmann.

Weitere Informationen z. B. über Häutung, Vermehrung, Winterruhe und Aufzucht der Jungtiere von Kornnattern unter www.schlangenwelt.de


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